Freier Waldorfkindergarten Schwetzingen
Mittagessen

Mittagessen

Der Freie Waldorfkindergarten Schwetzingen zeichnet sich dadurch aus, dass er immer im Wandel und in Entwicklung ist: aus einer Spielgruppe entstand vor knapp 23 Jahren eine Kindergartengruppe. Zwei Jahre danach dann eine zweite Gruppe und im Lauf der Jahre kamen immer wieder Veränderungen, um Eltern und Kindern in ihren Bedürfnissen gerecht zu werden: zunächst die Öffnungszeit bis 14.00 Uhr statt 13.00 Uhr. Im Jahr 2008 dann die Einrichtung einer Krippengruppe für die unter Dreijährigen, drei Jahre später die Waldgruppe und zuletzt die Aufstockung des Gebäudes mit der Zielsetzung, den Nachmittagsbereich zu öffnen. Auch das hat das pädagogische Team wir mit Bravour umgesetzt und wir betreuen nun zwanzig Kinder bis 16.30 Uhr mit einem gut durchdachten und reibungslos funktionierenden Konzept.

Doch kaum war dieser Schritt getan, traten wieder Eltern mit neuen Bedürfnissen und Wünschen an uns heran: ob man nicht für alle Kinder ein warmes Essen am Mittag bereitstellen könne? Die meisten Eltern arbeiten inzwischen beide und das Essenkochen am Nachmittag ist für viele eine enorme Belastung geworden. Und Kinder, die um 14.00 Uhr abgeholt werden, sind keine sehr motivierten Mit-Einkäufer in einschlägigen Supermärkten!

In vielen Stunden Konferenzarbeit näherten wir uns diesem Thema, hospitierten in anderen Einrichtungen, erfragten Erfahrungsberichte und wägten ab, in welcher Art wir eine Erweiterung unserer Konzeption für pädagogisch sinnvoll und durchführbar halten könnten. Im Herbst 2014 konnten sich dann alle im Team vorstellen, den Tagesablauf um zu stellen. Ein  Rhythmus sollte entstehen, der sowohl den pädagogischen Angeboten und Abläufen noch Rechnung trägt als auch die Möglichkeit bietet, zwei Mahlzeiten ein zu  nehmen. Ganz wichtig war und ist uns der Punkt „Ruhen nach dem Essen“, der ebenfalls seinen Platz haben sollte.

So entstand ein neuer „Tageablaufplan“, der im November 2014 an einem Gesamtelternabend vorgestellt wurde.

 

Viele Fragen wurden bewegt und beantwortet, manche Unsicherheit konnte beseitigt werden und einige Gegner der Umstellung konnten wir nicht überzeugen. Dennoch wollte das Gesamtkollegium, unterstützt durch den Vorstand, die Umsetzung ab Januar 2015 angehen.

Ein herausforderndes Unternehmen! Für die Ruhezeit mussten 60 sog. „Zelte“ aus Holz gebaut und mit Stoff bespannt werden. Es brauchte viele Näherinnen, die geschickt  mit der Maschine alles nähen konnten.

Der Bezug an Matten und Decken entpuppte sich als nicht ganz so einfach. Für die Mahlzeiten brauchte es Speisepläne, Einkauflisten, Bedarfsanalysen und Bezugsquellen. Fragen wie „wo bekommen wir fast 30 Laib Brot in der Woche her“ wurden ebenso diskutiert wie die Frage der Lagerung von den vielen Säcken Reis, Hirse und Haferflocken, die da gebraucht würden. Wie lange brauchen über 20 Kinder zum Essen, wie viel Zeit braucht ein Toilettengang, wann ist es sinnvoll, die Geschichte zu erzählen, wenn man nach dem Ruhen gleich in den Garten geht. Was wird es kosten die Kinder gut zu ernähren?

 

Eine spannende, aufregende und auch energiegeladene Zeit, bis wir dann im Januar nach den Weihnachtsferien mit der „neuen Konzeption“ starteten! Am Anfang mit viel Versuch und Irrtum, mit immer wieder notwendiger Überarbeitung der Rezepte für das Essen, mit Schieben von Uhrzeiten und Veränderungen von Absprachen untereinander.

Nun haben wir fünf Monate Erfahrung gesammelt und das Meiste läuft gut - nicht immer reibungslos, aber so, dass wir sagen können: wir haben uns alle daran gewöhnt und kennen die Abläufe. Die Kinder haben das veränderte System gut angenommen haben und mittags gegen 13.00 Uhr herrscht im ganzen Haus eine himmlische Ruhe, weil  nämlich alle Kinder entweder in einem Bett im Schlafraum oder in einem Zelt im Gruppenraum ausruhen – schweigend, schlafend oder vor sich hinträumend! Um dann gegen 13.30 Uhr satt und ausgeruht in den Garten zu können, wo die Abholzeit ist.

                           

DANKE!                                                                              

An dieser Stelle möchte ich mich bedanken – zuerst bei meinem wunderbaren Team, das so mutig, positiv und engagiert die Konzeptionsänderung erarbeitet und umgesetzt hat und immer wieder bereit ist, zu überdenken und neu zu ergreifen.

Dann bei den Eltern, die uns tatkräftig unterstützt haben – allen voran Familie Stelgens, die uns die Zelte gestiftet hat. Und die Mütter, die nachts und am Wochenende geschnitten und genäht haben, um genau passende Überzüge für Zelte und Matten zu zaubern! Ohne Ihre Hilfe hätten wir das nicht in so kurzer Zeit geschafft. Vielen vielen Dank für jede hilfreiche Hand, aber auch für den Zuspruch, für manch aufmunterndes Wort und für die mentale Unterstützung bei der Umsetzung. Die Spender, die Geld überwiesen haben, tragen zur finanziellen Entlastung des Kindergartens bei. Allen Eltern sei Dank gesagt für das Vertrauen in uns und unsere Pädagogik.

 

Mit besten Grüßen

Anne Lang